„Sachwalter“ und bezahlte Tätigkeiten

Bitte was? Welcher Walter?

Diese Antwort, wenn man denn von einer Antwort sprechen kann, erhalte ich, wenn ich mit Mitarbeitern oder Vertretern von Versicherern spreche. Das Sachwalterurteil von 1985 und die daraus resultierenden Verpflichtungen für den Makler sind meist unbekannt. Der Gesetzgeber hat mit diesem Urteil meines Erachtens den betreuenden Makler zum Tagelöhner gemacht, erwartet aber zeitgleich von ihm Weiterbildung, Kompetenz und Fachwissen, welches der Makler zur Verhinderung von Schaden dem Kunden zur Verfügung stellen soll/muß. Betrachtet man die aktuellen Diskussionen zum Provisionsdeckel, so wird das Ganze noch absurder. Die Zeche zahlen die Verbraucher, die wir schlussendlich alle sind. Der beste Verbraucherschutz ist der engagierte Makler, solange man ihn leben lässt. Nimmt man ihm die Luft zum atmen, so wird es keine fachliche Kompetenz in der Beratung mehr geben. Das der Staat selbst mehr an Kompetenz nötig hätte zeigt schon m.E. der § 61 des VVG: ….“nach seinen Wünschen und Bedürfnissen zu befragen und…“. Was aber weiß ein Kunde über das komplexe Vertragswerk der PKV oder Berufsunfähigkeitsversicherung vor der staalich verordneten „Verhörstunde“? Eigentlich nichts. Die Möglichkeiten, sich zuvor zu informieren (Verbraucherzentralen, Stiftung Warentest), sind der immer wieder nachgewiesenden Falschberatungen / unvollkommenden Beratungen nicht zielführend.

(Die Stellungnahme des GDV)

Ein derzeit aktueller Vorgang ist Anlass für diesen Artikel. Er soll verdeutlichen, dass die Anbieter die Tragweite ihrer z.T. rudimentären Verhaltensweise, mit denen sie schlussendlich den Makler beschäftigen/belasten, nicht abschätzen können. Der Gesetzgeber hat mit dem Sachwalter – Urteil den Makler in die Rolle eines unterbezahlten“Dienstleisters“ gedrängt und sieht weiterhin weg.

Die Kosten, die ein Makler heute zu stemmen hat, wie zum Beispiel Haftpflicht, Weiterbildung und Dokumentation (ganz kleiner Auszug), sind jeweils sofort zu zahlen. Trotz der hohen Qualifikation und der kompetenten Unterstützung des Verbrauchers durch den engagierten und spezialisierten Makler, steht die Courtage diesem erst  nach fünf Jahren zu.

Wer aber zahlt die verpflichtenden Tätigkeiten, die das Urteil mit sich bringt? Die Bestandsprovision eines Vertrages der privaten Krankenversicherung ist zweistellig. Damit erreicht sie im besten Falle einen Teil des wirtschaftlich errechneten Ein-Stunden-lohnes eines Vermittlers, der auch ein Wirtschaftsunternehmen ist.

Von einem Rechtsanwalt musste ich mir lächelnd sagen lassen, das meine Tätigkeit, durch die Bestandsprovision, in diesem Falle knapp 30 € im Jahr, abgegolten ist. Würden Sie dafür arbeiten gehen? Wie lange? Und der Anwalt?

Was war geschehen?

Ein langzeitversicherter Kunde erkrankte und beantragte / bezog Tagegeld. Nach ca. 6 Monaten ordnete der Versicherer ein Gutachten an. Der Gutachter attestierte Berufsunfähigkeit ohne eine aussagekräftige Tätigkeitsbeschreibung! Sportlich! Hauptsächlich schien die Entscheidung, ob ein Leistungsfall vorliegt, von der Tatsache getragen zu werden, dass die Erkrankung nicht diagnostiziert werden konnte und damit die Prognose von mehr als sechs Monaten erfüllt war. Die „messbaren“ Tätigkeitseinschränkungen waren dabei anscheinend sekundär. Bedenkt man, dass man im selben Hause auch Absicherung gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit anbietet und in Folge auch Leistungsfälle prüft, gewinnt diese Tatsache eine besondere Würze. Warum? In den letzten Monaten erlebten wir am Markt eine Zunahme der Intransparenz in der Leistungsregulierung. Die Tätigkeitsbeschreibung ist eine unabdingbare Grundlage, Berufsunfähigkeit zu entscheiden. Aber wie sollte man es anders erwarten? Nur der Versicherer entscheidet und nur für sich allein und meist auch zu seinem besten.

In dem geschilderten Fall stellte der Versicherer seine Zahlung zum nächstmöglichen Zeitpunkt ein und bot eine Anwartschaftsversicherung an.

Stationärer Aufenthalt.

Der Kunde, der sich immer schlechter fühlte, stellte sich in einer Klinik zur Behandlung vor. Er konnte erfolgreich therapiert werden und wurde bereits nach kurzer Zeit als geheilt entlassen. Damit war die Begutachtung der Berufsunfähigkeit im Nachhinein fragwürdig geworden.

Man forderte nun ein Gutachten, welches  die Arbeitsfähigkeit dokumentieren sollte. Auf welcher Basis, wenn doch die Berufsunfähigkeit ohne eine aussagekräftige Tätigkeitsbeschreibung entschieden wurde? In dem Fall war ich der Meinung, dass die meines Erachtens falsche Entscheidung durch den Versicherer selbst wiederholt zu prüfen sei. Nur der Mediziner, der im Sinne des Versicherers tätig war, hatte sich so entschieden, niemand anderes. Also sollte auch dieser Arzt begründen, ob es sich geirrt hat oder eben nicht. Der Vorschlag wurde akzeptiert. Der Arzt gab seien Irrtum wie erwartet zu.

Zeitgleich erhielt der Versicherte die Forderung, Gehaltsnachweise seit Beginn seiner Selbstständigkeit (ca. 25 Jahre) beizubringen, damit abgeschätzt werden kann, welches Tagegeld er versichern könne/dürfe! Sicherlich erinnern sie sich an das Urteil des BGH (AZ IV ZR 44/15), dass die Vertragsgrundlage, die eine Herabsetzung des Tagegeldes im Leistungsbezug ermöglicht, Intransparent und damit ungültig ist. Der Versicherer behauptet die Rechtsgültigkeit der Überprüfung und animierte mich, dem Kunden das auszurichten!

Zur Sache: Es ist bekannt, dass die Musterbestimmungen für die Krankentagegeldversicherung geändert wurden, nicht aber, ob diese Änderung auch eine rechtliche Gültigkeit hat. Im Gesetz ist verankert, dass die Möglichkeit, sogar die Verpflichtung besteht, eine solche Bestimmung zu ändern7zu ersetzen, wenn ohne die Änderung die dauerhafte Erfüllbarkeit der Tarife/fdes Vertrages nicht mehr gegeben wäre. Mir ist nicht bekannt, dass die dauerhafte Erfüllbarkeit des Tarifes für das Tagegeld durch ein fehlendes Herabsetzungsbefugnis nicht mehr gegeben war. Immerhin zahlte der Mandant die Beiträge, die die Kalkulationsverordnung für das Tagegeld errechnete. Wodurch also ist die Gefährdung eintreten?

Die Empfehlung /Aufforderung des Versicherers, diese als Obliegenheit gegenüber dem Versicherten zu kommunizieren sehe ich als bedenklich an. Sicherlich können Sie sich vorstellen, dass die Juristen mit allen möglichen Gesetzestexten auf mich zukamen, die hauseigene Meinung zu begründen. Wer schlägt schon die Hand, die ihn füttert?

Ich bat um eine klare Positionierung, dass die neue Gesetzesgrundlage im KT geschaffen werden musste, weil die dauerhafte Erfüllbarkeit der Tarife zuvor festgestellt wurde. Durch die Feststellung war die Veränderung legitimiert und gilt heute als rechtlich verbindlich für jeden der Versicherten.  Meinen Sie wirklich, dass ich eine solche Zusage erhalten habe? Warten auf Godot. Auch erlaubt dieses Verhalten Rückschlüsse, Rückschlüsse auf die Rechtmäßigkeit der Vorgehensweise und die Behauptung der Anbieter gegenüber dem haftenden Makler.

Die Wiedereinsetzung des Tagegeldtarifes dauerte immerhin 3 Monate. Bedenkt man seine Beendigung, die in 14 Tagen beschlossen wurde….. ! Wie wäre es ausgegangen, wäre der Kunde erneut erkrankt oder hätte einen Unfall erlitten? Viele Fragen – keine Antworten – der Makler haftet für 30 € jährlich!

Ab – Rechnung.

Wie verhalten, wenn die Rechtsgrundlage strittig ist? Rat geben – nicht geben – was ist richtig? Wer beurteilt das? Ist es eine Rechtsdienstleistung?

Das Verhalten des Versicherers war m.E. dilettantisch und ausschließlich auf das eigene Interesse ausgerichtet. Der Versicherte kam aus einer ganz anderen Branche als der Versicherungswirtschaft und kannte weder Rechtsprechung noch Vertragsinhalte. Ein klassischer Fall für das Sachwalterurteil gegenüber dem bestandsführenden Makler – oder? Er benötigte Beratung, Hinweise zu seinen Obliegenheiten als auch zu seinen Rechten und vieles musste erst recherchiert werden. Stunden über Stunden vergingen, der Fall erstreckte sich auf über ein halbes Jahr.

Die Bemerkung der Sachbearbeiterin, der Kunde hätte mich ja nicht beauftragen müssen, belegt die Unkenntnis der rechtlichen Regularien im Umgang miteinander. Nicht nur die Personen, die im Umgang mit Verbrauchern / Kunden stehen, sondern auch die, die Leistungen regulieren und Kontakt zu Makler haben, sollten die Anforderung der Fortbildung erhalten und diese nachweislich verfolgen. Nichts ist steter als der Wandel in der Rechtsprechung.

„Nicht haftet besser, als ein Makler“!

(Ein Link der zur notwendigen Weiterbildung führt).

Zur Bestandsprovision.

Der Streit, wofür eine Bestandsprovision gezahlt wird, ist so vielschichtig wie Menge der Personen, die an ihm teilnehmen. In allen Quellen, die ich recherchieren konnte spricht man von einem Lohn zum Erhalt des Vertrages. Ist damit auch gemeint, dass man alles glauben soll, was einem der Anbieter erzielt und dafür haftet? Ich denke nicht.

Auch kann die Höhe des Lohnes in Verbindung zu der Tätigkeit lediglich begrenzend wirken. Staatliches Versagen! Mal wieder, wie üblichen Verbraucherschutz, wie ich es immer wieder erfahren musste. Die Versicherungsbranche lächelt, denn sie verspricht sich davon wahrscheinlich zukünftig eine (noch) geringere Gegenwehr.

Falsch! Die Vermittler, die die nächsten Jahre überleben werden, werden die kompetente Elite des Marktes sein. Schon heute haben viele Vermittler in das Lager der Versicherungsberater gewechselt. Bisher konnte mir kein Vorstand erklären, warum wir Vermittler stornobehaftete Anträge mit hohem Beratungsaufwand und hohe Haftung vermitteln sollen, für die für den Lohn erst nach fünf Jahren erhalten haben, wenden doch die Möglichkeit besteht, solche Streitigkeiten sofort und gleich per Honorar im Sinne des Versicherten gegenüber dem Versicherer zu vertreten. Mal nachdenken den Versicherer. Warum hattet ihr keine Antwort?

Ich behaupte, die fachliche Kompetenz ist der Feind des Anbieters. Eine Vielzahl von rechtlichen Entscheidungen und Gegebenheiten, beabsichtige ich in nächster Zeit zu veröffentlichen. Durch das Fehlverhalten, welches sich Anbieter damit leisten, riskieren sie die Zahlung für Leistungsfälle, die bereits eingetreten sind.

Diesem Grunde kann ich nur jedem Makler empfehlen, sich inhaltlich und sachlich zu spezialisieren und weiterzubilden. Den Interessenten rate ich, sich ihren Makler genau in Bezug auf diese Sachverhalte anzusehen. Onlineabschlüsse Fall meines Erachtens in diesem Bereich grundsätzlich unter den Tisch. Meist fehlt die Analyse, auch mangelt es oft einer fachlichen Beratung über alle Tarifmerkmale, die der Markt in diesem Bereich bietet. Spätestens im Leistungsfall zeigt sich, wo das Problem liegt.

Frank Dietrich Fachmakler

-Sachwalter-

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Kontaktieren Sie mich

Ich stehe gerne für Ihre Fragen bereit und helfe Ihnen!

Nicht lesbar? captcha txt