„Stroke Angel“ – am falschen Ende gespart?

Alle 9 Minuten stirbt jemand in Deutschland an einem Schlaganfall.

In den letzten zwei Wochen traf es zwei Freunde weit unterschiedlichen Alters. Bei beiden gab es keinerlei Vorzeichen. Der eine macht sich nachts, bereits halbseitig gelähmt, bemerkbar und wurde eingeliefert. Der andere durch die Fensterscheibe in seiner Wohnung liegend gesehen und sofort geborgen. Der Erste liegt noch im Koma (seit 4 Wochen), der andere kommt gerade in die Reha.

Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland.

Weltweit hingegen führt sie die Liste der tödlichen Erkrankungen an. Oftmals sind lebenslange Einschränkungen in der Lebensweise die Folge. Es ist eine Zivilisationskrankheit. Besonders zu beachten ist der Zeitfaktor, wenn ein Schlaganfall aufritt. Je später die Behandlung beginnt, desto größer die Wahrscheinlichkeit für Folgeschäden, wie zum Beispiel Behinderungen. Ausgelöst wird der Schlaganfall, eine zerebrovaskuläre Erkrankung, durch das Absterben der Nervenzellen (Neuronen) aufgrund fehlender Nährstoffe und auch fehlenden Sauerstoffes.

Die zerstörerische Wirkung ist enorm.

Unben "Stroke Angel" -  am falschen Ende gespart?

Queller: Saver 2006

Welche Vorsorgemöglichkeiten gibt es?

  • Die Krankenversicherung
  • Tagegeldversicherung
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Absicherung gegen schwere Krankheiten/Grundfähigkeitsversicherung/Multiriskpolice
  • Pflegezusatzversicherung

Krankenversicherung

In Deutschland gibt es das Duale System in der Krankenversicherung. Pflichtversicherte können sich ihre Leistung nicht aussuchen, aber sie können sie aufbessern. Dafür gibt es Zusatzversicherungstarife, sowohl für ambulante Behandlung als auch stationäre Behandlungen. In der Privaten Krankenversicherung sucht sich jeder das aus, was er wünscht (nicht ausschließen kann zu benötigen). Aber Achtung, solch Versicherungsschutz wird meistens über den Preis verkauft. Die meisten Vermittler haben noch niemals die Vertragsinhalte selbst gelesen, geschweige denn mit anderen verglichen. Formulierungen, die sich sehr gut anhören, können durchaus Regulative sein, also Leistung begrenzen oder sogar verhindern. Besonders zu beachten sind in der privaten Krankenversicherung Leistungen wie zum Beispiel Krankenhaus Ersatzpflege, häusliche Krankenpflege oder auch die Reha selbst. Allein diese Benchmark lässt gut 90 % der Angebote des Marktes als nicht bedarfsgerecht fallen.

Tagegeld

Bei gesetzlich Versicherten endet die Lohnfortzahlung des Arbeitgebers nach sechs Wochen. Danach springt die gesetzliche Krankenversicherung ein. Sie erstattet aber nicht das Gewohnte netto, sondern in der Regel zwischen 15 und 20 % weniger. Bei gut verdienenden Angestellten, die weit über der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdienen, kommt es zu weit größeren Differenzen bei der Zahlung. Warum? Die gesetzliche Kasse zahlt nur Verdienstausfall in Form von Tagegeld bezogen auf die Jahresarbeitsentgeltgrenze. Das sind derzeit ca. 85-90 € täglich. Liegt jemand nun bei wesentlich mehr Einkommen, beispielsweise 150.000, so erhält er dennoch nur gute 2800 €. Egal, wie groß die Differenz im Einzelfall ist, über eine gewisse Dauer wird jede Differenz zu einer Einbuße, die die finanzielle Existenz durchaus gefährden kann. Privatversicherte hingegen können den Zeitpunkt der Tagegeldzahlung selbst bestimmen. Auch hier ist auf die ausreichende Höhe zu achten und natürlich auf die Bestimmungen, die man als Versicherungsschutz gewählt hat. Es empfiehlt sich nicht grundsätzlich die Vermittlung von Versicherungsschutz Bereich des Verdienstausfalles beim selben Anbieter, der auch die private Krankenversicherung stellt.

Bei fast allen gesetzlich Versicherten und einigen wenigen Privatversicherten gibt es eine Haushaltshilfe als Anspruch, die einem solchen Fall durchaus einspringt.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Besteht die Arbeitsunfähigkeit länger, mindestens aber über sechs Monate hinaus und lässt sich vom Ende her nicht prognostizieren, so sollte man ein Antrag an die private Berufsunfähigkeitsversicherung stellen. Bei den unterschiedlichen Angeboten ist besonders darauf zu achten, dass die vor dem Schlaganfall ausgeübte Tätigkeit versichert ist. Viele Anbieter verstecken immer noch eine abstrakte Verweisung in Ihren alten Verträgen – in neuen Verträgen möglicherweise in der Nachprüfung oder auch nach einer gewissen Zeit, die man aus dem Berufsleben ausgeschieden ist. Wenn derartige Bestimmungen im Vertrag zu finden sind, ist die Absicherung falsch gewählt.

Das Problem hingegen ist die Definition der Arbeitsunfähigkeitsversicherung gegenüber der Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Krankenkasse urteilt möglicherweise, dass keine Krankheit mehr vorliegt, sondern Berufsunfähigkeit. Andersherum urteilt der Anbieter der Berufsunfähigkeit. Seit einigen Jahren und in sehr unterschiedlicher Ausgestaltung bieten Berufsunfähigkeitsversicherer innerhalb Ihrer Tarife auch Arbeitsunfähigkeitsklausel an. Damit soll diesem Problem Rechnung getragen werden. Im Wesentlichen dabei ist zu beachten, welche Obliegenheiten sie haben, wenn ein AU-Antrag gestellt wird. Bei einem Anbieter hat man dieselben Dokumente beizubringen, als wenn man den Antrag der Berufsunfähigkeitsversicherung stellen möchte. Andere leisten nur in den Bestimmungen nur bei Angestellten oder auch nur Teile des Einkommens. Auch hier lohnt ein fachlicher Blick in die Allgemeinen Vertragsbestimmungen, den Wert der Absicherung zu erkennen, den Preis kennt man meist schon.

dss "Stroke Angel" -  am falschen Ende gespart?Schwere Krankheiten/Grundfähigkeitsversicherung/Multiriskpolice

Ich bin kein Freund dieser Absicherungen, aber in diesem Falle würde der eine oder andere Vertrag hilfreich sein. Im Leistungsfall wird meist ein Einmalbetrag gezahlt, bei einigen Anbietern auch eine laufende Rente. Die Probleme in der Auswahl des richtigen Anbieters liegen darin, beurteilen zu können, welche medizinischen Diagnosen und welche Nachweise zu erbringen sind, damit ein Leistungsfall ausgelöst wird. Bei den Grundfähigkeitsversicherungen tritt der Versicherungsfall erst dann ein, wenn feststeht, welche Fähigkeiten „noch“ da sind. Fehlende Grundfähigkeiten wie zum Beispiel das Treppensteigen oder das Aufheben eines Stiftes vom Boden sollten in den Vertragsbestimmungen greifbar, nachvollziehbar und nicht besonders speziell gehalten sein. Bei einem Anbieter fanden wir die Definition für den Noch-Gebrauch einer Hand. Funktionsfähigkeit wird damit definiert, eine Glühbirne in eine Fassung einer besonderen DIN-Norm einschrauben zu können. Möglicherweise kann der Kunde dieses nicht erfüllen, schraubt aber eine andere Glühbirne in eine andere Fassung. Ich denke, Sie erkennen die Problematik.

Pflegezusatzversicherung

Schon seit Jahren hat sich gezeigt, dass die Ursachen pflegebedürftig zu werden fast eins zu eins identisch zu denen sind, die Berufsunfähigkeit hervorrufen. Beides gehört in meinen Augen zusammen, wenn es um Absicherungen geht. Mit Beginn 2017 wurde das Pflegestärkungsgesetz 2 eingeführt. Aus Pflegestufen (3) wurden Pflegegrade (5). Lediglich die Einstufung von Betroffenen wird nun realistischer. Dennoch wird nichts an der Teilkaskoabsicherung des Staates geändert. Es besteht nach wie vor Handlungsbedarf.

Grundsätzlich sollten folgende Absicherung vereinbart werden:

Risken-Kreislauf "Stroke Angel" -  am falschen Ende gespart?Das Schema soll verdeutlichen, dass Versicherungsschutz für jeden Menschen, auch für den noch nicht geborenen, vereinbar ist. sicherlich wird man niemals alles absichern können und wer will schon für die Versicherungen arbeiten gehen? Dennoch sollten wir uns bewusst sein dass die Risiken, den wir im täglichen Leben begegnen, nicht darauf warten, dass wir Zeit dazu haben, sie abzusichern.

In den oben genannten Fällen war der eine bereits berentet und es wird zu überlegen sein, ob wir Eine neue Unterbringung finden oder ob er zurück in seine Wohnung kann. Die fehlende Pflegeversicherung wird der Familie noch Rechnungen bescheren, die hätten verhindert werden können. Der andere, noch weit von der Rente entfernt, wird wahrscheinlich seine Hausfinanzierung verlieren, seinen Lebensstandard auf das Mindeste einstellen müssen, da er keinerlei Absicherungen hat. Trotz eines möglichen Hirnschadens kann er noch sehr lange und aktiv am Leben teilnehmen und begründet damit Kosten in bis zu sechsstelliger Höhe. Sein Sohn, der gerade Vater wurde und ins Berufsleben startet wird dann wohl kaum die Möglichkeit haben sein leben selbst zu gestalten. Hätte der Vater ein Teil dessen, was er dazu benötigt, dem Rauchen nachzugehen in Vorsorge investiert……

Frank Dietrich Fachmakler

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