Berufsunfähigkeitsversicherung Online! Ein Selbstversuch.

Ich kann das Selbst.

Immer wieder höre ich von Kunden, dass sie ihren Versicherungsschutz im Internet gesucht, gefunden und gewählt haben. Ein Grund, den Dingen näher gegenüberzutreten. Kann man wirklich von einer kompetenten und transparenten Beratung im Internet auf Augenhöhe und zum Nutzen des Interessenten ausgehen? Gibt es die notwendigen Risikohinweise, bezogen auf die grundsätzlich notwendige Einsicht in die Arztakte vor Antragstellung, damit keine Daten bei Antragstellung fehlen und der Vertrag später nicht zur Leistung kommt? Sind die Ratschläge umfassend oder dann doch eher produktbezogen? Lassen wir uns überraschen, denn mehr als Überraschung wird es wahrscheinlich nicht sein.

Kundennutzen?

Viele, meist unentschlossene oder komplett ahnungslose Interessenten lassen sich von Verbraucherzentralen beraten. Achtung! Wie ich in meinem Selbstversuch erfahren musste, wurde ich von jemanden beraten, der selbst Rat dringend nötig hätte. Vieles konnte nicht erklärt werden und schlussendlich wollte man sich mit dem Heft von Stiftung Warentest, seinerzeit Heft 7/2017 als Gesprächsleitfaden aus der Situation retten. Der Hinweis, der in diesem Heft gegeben wird, ist in meinen Augen die finanzielle Existenz dessen gefährdend, der dem Rat folgt. Warum? In dem Artikel findet sich ein klares Wording zu den Anbietern, die das Rating an den ersten drei Plätzen belegten. „Unser Rat“, so die Überschrift der direkten Empfehlung. Obwohl in dem Artikel korrekterweise darauf hingewiesen wird, dass der Preis bei der Auswahl sekundär ist, findet sich in der Einleitung der Hinweis auf den Versicherer, der unter den Gewinnern den geringsten Preis hat (?). Ich sehe diese Art der Empfehlung als eine faktische Vermittlung von Versicherungsschutz an, auch wenn kein Vertrag durch Stiftung Warentest geschlossen wird. Der Fokus des Ratsuchenden wird mit solchen Aussagen verändert. Durch diesen gegebenen Rat beschränkt sich die Auswahl drei Anbieter. Da die Bewertungen, die veröffentlicht werden in Summe nahezu gleich sind, gewinnt der Preis an Bedeutung und wird zum Dreh-und Angelpunkt der Entscheidung. Kommt es dann zum späteren finanziellen Schaden, weil Tarifdetails nicht berücksichtigt wurden, ist es niemand gewesen! Betrachten wir die neue Vermittlerordnung (IDD) so ist es grundsätzlich nicht wichtig wer berät, sondern welches Ergebnis beim Verbraucher zurückbleibt.

Die Hannoversche Lebensversicherung hatte in diesem Heft die Nase vorn. Die gewerteten Qualitätsmerkmale zeigten kaum Unterscheidungen, die zwischen den Konkurrenten bestehen. Der Preis war der Geringste.

Die Katze im Sack?

Trotz des Hinweises der Verbraucherzentralen als auch den von Stiftung Warentest, dass man bitte auf die Möglichkeit der Stundung von Beiträgen achten sollte, vergaß man etwas entscheidendes. Die Stundung von Beiträgen bei Arbeitslosigkeit oder Elternzeit zu berücksichtigen, ist sicherlich von Bedeutung.   Der sich mit einem solchen Ausstieg aus dem Berufsleben ändernde Versicherungsschutz bleibt hingegen unkommentiert. Welcher Hinweis ist gemeint? Wer bei der Hannoverschen Leben aus dem Berufsleben wegen Arbeitslosigkeit oder auch Elternzeit ausscheidet, hat dem Versicherer mitzuteilen, wann er in das Berufsleben wieder eintreten wird. Welcher der älteren Versicherten, die arbeitslos werden, hat die Möglichkeit dazu? ein Versicherter, der diese Mitteilung nicht machen kann, verliert den Versicherungsschutz, der auf seinen Beruf gründet. Vom Professor zum Tagelöhner?

In meinen Augen eine klare Fehl-/Falschberatung mit staatlicher Duldung und steuerlicher Förderung. Andere Interessenten, aber auch Vermittler verlassen sich auf Ratings, die nicht einmal die Ratingparameter angeben. Ein sportlicher Blindflug. Franke und Bornberg geben aktuell 5400 Ratingkriterien an. Wurden die Buchstaben gezählt? Hat man Mahngebühren verglichen, wie auch in der Software für die Krankenversicherung?

Nun aber zu den erschreckenden Ergebnissen des Internetbesuches:

Die Allianz, die nicht an Transparenz zu interessiert zu sein scheint, wie ich in meinem Blog-Bericht dokumentierte, berät nicht auf Augenhöhe, wie ich meine. Die Schülerklausel dieses Versicherers suggeriert Versicherungsschutz bei Berufsunfähigkeit. Statt BU wird EU versichert und niemand redet darüber. Auch hat der Versicherer nicht an der Transparenzinitiative 2017/2018 teilgenommen. Bei der Initiative ging es darum, Transparenz in die Leistungsregulierung zu bringen.  Man wünschte keine Teilnahme, veröffentlichte aber am nächsten Tag in der Illustrierten Stern eigene Daten. Daten, die nie geprüft wurden. Wie wertvoll sind Angaben, die sich nicht nachvollziehen lassen? In der Beratung unseres Hauses wird auf diesen Sachverhalt eingegangen. wir erwarten kurzfristig die belegbaren Daten einiger Anbieter. Wer diese Daten nicht veröffentlicht oder belegen kann, gehört nicht in unserer Beratung.

Ich fand einen Rechner der Allianz und startete den Selbstversuch.

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Allianz Rechner

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Allianz Rechner

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Allianz Rechner Download

Wie an den folgenden Screenshots zu erkennen ist, ist trotz der Angabe Selbstständigkeit die Arbeitsunfähigkeitsklausel mit im Angebot. Weiter hinten werden die Vertragsbestimmungen zum Download angeboten. Dort finden sich weitere Erklärungen zur Arbeitsunfähigkeitsklausel, die bei Selbstständigen nicht leistet! Wie ist dieser Gegensatz, gerade auch vor dem Hintergrund der Intransparenz, zu werten?

Nun könnte der Versicherer natürlich behaupten, dass man die Allgemeinen Vertragsbestimmungen dahin gehend zu studieren hat, ob der im Internet angebotene Tarif im Leistungsfall auch wirklich leistet.

Ist das so? Im Themenkreis des Tarifwechsels in der Krankenversicherung gibt es ein Urteil, welches dem Anbieter verbietet, den Verbraucher zur Unterscheidung von Tarifmerkmalen auf das Studium der Allgemeinen Vertragsbestimmungen zu verweisen. Sicherlich beruht das Urteil auf der Tatsache, dass Versicherungsdeutsch, Schachtelsätze und unklare Rechtsbegriffe in den Formulierungen nur vom Fachmann bewertet werden können. Sieht es denn bei einem konkreten Angebot durch einen Versicherer mit den zuvor eingegebenen Daten nicht genauso aus? Kann sich ein Kunde, der sich orientieren und gegen dieses Risiko absichern möchte nicht darauf verlassen, dass die von ihm verlangten und eingegebenen Daten auch den Versicherungsschutz zum Angebot bringen, der für ihn seine Gültigkeit hat und leistet? Bei Angabe von selbstständiger oder freiberuflicher Tätigkeit, dürfte dieses Angebot nicht gemacht werden.

Es kommt noch besser.

Den von Stiftung Warentest empfohlenden Anbieter, die Hannoversche Leben, habe ich auch besucht. Unglaublich!

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Hannoversche Leben-Rechner

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Hannoversche Leben-Rechner

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Hannoversche Leben-Rechner

Die abgebildeten Tarifdetails lasse ich einfach mal unkommentiert. Es wird schwer sein, Versicherer zu finden, die diese Eckdaten nicht abbilden. Die Frage nach den Gesundheitsstörungen oder Beschwerden der letzten drei Monate sehe ich als sehr kritisch an. Warum? Beschwerden sind subjektiver Natur. Jeder empfindet Beschwerden anders also werden auch die Angaben entsprechend dieser Empfindung gemacht und sind damit nicht objektivierbar. Arztbesuche sollten erfragt werden. Ein paar Klicks weiter findet der Interessent einen Hinweis darauf, was nicht anzugeben ist. Bitte lesen Sie selbst! Kann das sein? Ein Bandscheibenvorfall, auch ein rezidivierender, der ambulant vor fünf Jahren behandelt wurde, wäre nicht anzugeben. Lese ich das falsch? Vermutlich würde die Hannoversche aus der Leistung aussteigen, finden sich solche Angaben nicht im Antrag. Bedenken Sie immer, dass Stiftung Warentest diesen Anbieter empfahl. Die Verbraucherzentralen verbreiten dieses, wie ich erfahren musste. Ganz ohne Haftung! Ich werde beim Anbieter nachfragen, damit alles seine Richtigkeit hat! 04.05.2018: der Versicherer rief an und hat sich bedankt. Wofür? Das hier zum Tragen kommende Berechnungsmodul ist falsch platziert! Die Änderung erfolgt Anfang Mitte Juni. Natürlich sind auch orthopädische Erkrankungen Untersuchung älter als drei Jahre anzugeben. Entgegen der weiter oben erklärten Problematik bei der Allianz, hat die Hannoversche den Vorgang geprüft und auf Augenhöhe kommuniziert. Hauptsache Allianz versichert?

Vergleiche als Handlungsgrundlage?

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Quelle: Versicherungen-online.de

Dem Hinweis, in dem vorliegenden Vergleich herausfinden zu können, welcher der Versicherer für mich der Beste ist, bin ich gefolgt. Wie meist bietet man eine preislich orientierte Liste der Tarife. Der Hinweis darunter, dass diese Anbieter danach ausgewählt wurden, dass Empfehlungen von Stiftung Warentest und von Softfair die Auswahl beeinflussten, steht der Sachverhalt gegenüber, dass keine Direktversicherer zu finden sind. Damit hat der Anbieter des Vergleiches eine Vorauswahl getroffen, ohne dem Kunden konkret auf fehlende Tarife aufmerksam zu machen. Beratung auf Augenhöhe?

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Quelle: Versicherungen-online.de

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Quelle: Versicherungen-online.de

Wie schon weiter oben haben wir bewusst nach der Arbeitsunfähigkeitsklausel geschaut und das natürlich auch bei Allianz. Auch hier wurde wieder die Selbstständigkeit angegeben.

Der Anbieter “ Finanzen.de“ hat mich enttäuscht. Wenn ich auf dieser Basis herausfinden soll, wer der Beste Versicherer für mich ist, werden Zitronenfalter anfangen Zitronen zu falten – oder?

Die Bewertung umfasst zudem nicht den Parameter: Ausscheiden aus dem Berufsleben! In einer Zeit, in der mehr Kinder geboren werden als in den Jahren zuvor und die Fluktuation am Arbeitsplatz weiter steigt, ist ein Vergleich ohne diesen Sachverhalt in meinen Augen sinnlos. Ich berichtete bereits über die Argumentation von Vermittlern, die mit solchen Programmen arbeiten und auf Unterschiede in den Tarifen angesprochen werden.

Schlussendlich noch ein Fundstück. Gut, dass das nicht die Abfrage zum Gesundheitsstatus de facto darstellt. Dennoch verharmlost es meines Erachtens die dringende Notwendigkeit bei der Recherche der Gesundheitsdaten. Ein wenig mehr Verantwortung, gerade bei einem leistungsstarken Versicherer, hätte ich mir gewünscht.22-1 Berufsunfähigkeitsversicherung Online! Ein Selbstversuch.

Meine persönliche Kritik:

Wie kann es sein, dass Verbraucherzentralen, die von sich behaupten, kompetent zu sein und sich weiterzubilden, nicht einmal die Basics einer Berufsunfähigkeitsversicherung kennen? Wie kann es sein, dass sie sogar kostenpflichtig die Ratschläge von Stiftung Warentest unter die Bevölkerung bringen? Wie ist es möglich, dass diese Verhaltensweisen steuerlich gefördert werden?

Das Vergleichsrechner keine Entscheidungsgrundlage liefern können, zeigt sich, so oft man sie nutzt. Wichtige Hinweise werden nicht gegeben oder lediglich interpretiert abgebildet, sodass wir dem Kinderspiel „Stille Post“ wieder näher kommen. Ratingunternehmen die ihre Ergebnisse veröffentlichen, veröffentlichen nicht die Parameter, auf den diese erarbeitet wurden. Alles ganz normal?

Es ist nicht die Menge der Parameter, die die Qualität einer Software/ eines Ratings begründet. Ich übertrage beispielsweise den Sachverhalt auf ein Auto. Wie wichtig ist die qualitative Beurteilung einer Schraube in der Stoßstange gegenüber der Qualität des Motors? Meiner Meinung nach werden solche Angaben künstlich aufgebläht, erhöhen dadurch aber nicht den Nutzen dessen, der sie liest.

Der beste Verbraucherschützer ist der verantwortungsvolle und spezialisierte Makler. Dieser wird von den Verbraucherschützern pauschal zum provisionsgeilen Vermittler erklärt. Über diesen Weg versucht man die Konkurrenz auszuschalten, sich nicht auf der fachliche Ebene ins Gespräch zu begeben.

Wie es sich, dass die Verbraucherzentralen nicht das konstruktive und zielführende Gespräch suchen, welches den Nutzen des Verbrauchers erhöhen soll?

Bitte treten Sie meiner Petition bei. Zeitnah werden neue Artikel und Veröffentlichung dazu erscheinen. Seien Sie gespannt!

Frank Dietrich Fachmakler

Versicherungsschutz ist eine Ware. Ihren Preis zu kennen, ist sicherlich interessant aber ohne persönlichen Wert.

Qualitätssiegel Berufsunfähigkeitsversicherung Online! Ein Selbstversuch.

 

 

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