Nun mal ehrlich: Beitragsanpassungen

Ich kann es kaum noch hören

Immer wieder wird auf dem System der Privaten Krankenversicherung herumgehackt, nicht grundsätzlich falsch, betrachtet man das Verhalten einiger Marktteilnehmer und die dadurch  folgenden Probleme. Damit meine ich insbesondere auch Anbieter, deren Kalkulation und auch deren Zuführungswege neuer Versicherter schon vor Jahren erkennen ließen (und auch heute erkennen lassen) dass die Beitragsentwicklung über Marktdurchschnitt weitergehen wird.

Zu Unrecht deshalb, weil der gesetzliche Bruder demselben Kostendruck ausgesetzt ist. Anstatt die Beiträge sprunghaft zu erhöhen, geschieht dieses jährlich in Form einer sich erhöhenden Beitragsbemessungsgrenze „Dynamik“. Darüber spricht niemand. Auch verpuffte bereits die Prognose der Verdopplung, möglicherweise sogar Vervierfachung des Zusatzbeitrages. All diese Erhöhung gehen in der Regel, das ist die Erfahrung der letzten 30 Jahre, mit der Minderung von Leistungen einher. Diese Minderung der Leistung führt immer wahrscheinlicherim Krankheitsfall zu einer Nicht-Versorgung im System der Versorgung. Wo bleibt die konstruktive Kritik, wenn der Gedanke der Versicherung auf diese Art und Weise ausgehöhlt wird und an Bestand verliert?

Auch hier gibt’s Verhaltensweisen, die man alles andere als solidarisch nennen kann, was auch immer solidarisch genau meint.  Gerade erst konnten wir darüber lesen, dass Gesetzliche Krankenkassen mit Ärzten Absprache halten, dass diese erste  ihre  Patienten  mit Diagnosen belegten, die dazu führen, dass die jeweilige GKV mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds zugeteilt bekommt. Erinnern wir uns an die Machenschaften im Bereich Tagegeld, wenn es darum ging, den Erkrankten zu gängeln  und ihm das Tagegeld möglichst nicht auszahlen zu müssen. Beispiele dieser Art gibt es noch viele – deren Aufzählung würde den Artikel sprengen. Bleiben wir sachlich!

Anpassungen seit 2000

Die durchschnittlichen Beitragsanpassung seit dem Jahre 2000 liegen (Quelle FAZ) in der Privaten Krankenversicherung bei 3,7 % pro Jahr. Der gesetzliche Bruder erhöht, wie oben bereits erwähnt, regelmäßig die Beitragsbemessungsgrenze. Das sind 5,9 % pro Jahr plus Zusatzbeitrag. Gäbe es das Problem mit den Zinsen am Weltmarkt nicht, würde sich daran nichts in dieser Dualität ändern. Nun müssen wir aber bei der Realität und damit der Bezahlbarkeit der Beiträge bleiben. die Frage ist nur, welches ist der bessere Weg?

  • ein gleichmäßig steigender Beitrag bei gleichen Leistungen, die im Versicherungsfall vor Kosten schützen und damit wirklich eine Versicherung im ursprünglichen Gedanken darstellen?
  • ein gleichmäßig steigender Beitrag bei Reduktion von Leistungen, die Selbstzahlung und planbarer Höhe im Leistungsfall mit sich bringen?

Wer sich für die Private Krankenversicherung entscheidet, sollte grundsätzlich darauf achten, dass nur gut 10 % der Anbieter am Markt tatsächlich Leistungen anbieten, die dem Gedanken gerecht werden, nicht nur privat versichert zu sein, sondern auch Privatpatient im Leistungsfall. Der Irrglaube, dass dieses Thema sich mit dem Wahltarif Chefarzt/Zweibettzimmer erledigt hat, beherrscht leider noch immer den Markt. wer achtet auf andere Abrechnungsmodalitäten, die im Leistungsfall gültig werden? Beachtet auf Fristen, Obliegenheiten und Begrenzungen im Vertragstext? Hier gibt es die Möglichkeit der Mitbestimmung und daraus folgend die Übernahme der Verantwortung für das gewählte. In der gesetzlichen Krankenversicherung entscheidet man für sie, in Beitrag und (noch) Leistung. Was wäre, könnte jeder seine Versicherungsform frei wählen?

Interessanterweise sind es die Tarife, bei dem man auch wirklich Privatpatient ist, die in den letzten Jahren im Beitrag gesenkt werden konnten. Die Qualität ist hier also doppelt zu sehen: Bedarfsgerechte Inhalte und Beitragsstabilität! Den steigenden Beiträgen im Alter zu begegnen, kann man durch Beitragsentlastungstarife oder auch durch eine entsprechende Sparplan, wobei sich hier die Frage stellt, wohin mit dem Geld, wenn ich die Zinsen betrachte. Da sind wir wieder beim alten Problem. Die Gesetzliche Krankenversicherung hingegen zahlt bereits Strafzinsen auf ihre Rücklagenund läuft den Kosten, wenn man die Einnahmen dagegen betrachtet, hinterher. Leider sind die Kosten schneller! Das Problem der Flüchtlinge schlägt nun, wenn die Zeit abgelaufen ist, dass die Kommunen die Kosten übernehmen mussten, auch auf die gesetzlichen Bruder über. der Gesundheitsfragen,  der auch in letzten Jahren der „Schwarzen Null“ diente, wird nun wieder gemolken. Der Versicherte zahlt brav weiter, Mitbestimmung gibt es nicht für ihn.

Monopolismus ist kein Ausweg

Niemand glaubt wirklich daran, dass man Hilfsmittel in der GKV „problemlos“ erhält (Link dazu unten). Erinnere ich mich daran, dass man noch vor Jahren bestätigte, es gebe problemlosen Bezug von Hilfsmitteln der GKV und betrachte ich gerichtliche Auseinandersetzung, wenn es nur um ein Fahrrad für ein behindertes Kind geht oder eine Helmtherapie (beides vorab verweigert), so frage ich mich ob hier wiederholt ein (konstruktiver) Wirklichkeitsverlust (siehe BER) vorliegt. Erinnern wir uns zudem auch daran, das der Gutachterausschusses der Gesetzlichen Krankenkassen darüber befindet, was welcher Versicherte wann bekommt, auch wenn es sofort Leben retten könnte. Das widerspricht der Formulierung gänzlich auf „bedarfsgerecht“. sind denn Bürogebäude, wie in Berlin-Mitte erstellt, bedarfsgerecht?

button-892146_1280 Nun mal ehrlich: BeitragsanpassungenZitat Frau Dr. Doris Pfeiffer

Um diese sogenannten freiwillig Versicherten bemühen sich beide Systeme. Dadurch sind die Anbieter permanent dazu veranlasst, die Qualität ihres Angebots zu verbessern, um die potenziellen Kunden vom Vorzug des jeweiligen Systems zu überzeugen. Fiele die Konkurrenz durch das jeweils andere System fort, würde dieser Anreiz zu Leistungsverbesserungen sofort wegfallen. Das bestätigte auch die Chefin des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Doris Pfeiffer: „Ohne die Konkurrenz von Privatversicherungen wäre die Gefahr, dass der Leistungskatalog auf eine minimale Grundversorgung reduziert wird, größer. In einem Einheitssystem ließen sich die Leistungen leichter reduzieren.“ (Zitat Ende)

Die Gesetzliche Krankenversicherung stellt die Versorgung da. Nicht einmal 10 % der Bevölkerung (Privatversicherte) beträgt 30 % der Kosten im ambulanten System und Subventioniert über die Steuerzahlungen die GKV die Beitragsfreiheit für Familienmitglieder. Es ist schon eine verrückte Welt, in der wir leben. Gäbe es die PKV nicht, wären viele Ärzte, die nichts anderes als Wirtschaftsunternehmen sind, nicht mehr überlebensfähig und die Versorgung hätte keine Akteure mehr. Es stellt sich die Grundsatzfrage, warum wir finanzielle Löcher in anderen Ländern stopfen, die Scheckbuchpolitik weiterpflegen, anstatt für das Wohl und die Gesundheit in nachhaltiger Form in Deutschland zu sorgen. Wenn wir dann so weit sind, dass wir uns nicht mehr selber helfen können, können wir auch niemanden Anderen mehr helfen.

Klare Worte. Richtige Worte.

Das duale System muss erhalten und grundsätzlich neu konzipiert werden. Ich denke hier an eine Grundversorgung, ähnlich wie in der GKV heute, die für jeden planbar und auch einklagbar ist. Ich denke daran, dass Menschen auch in die Verantwortung gezogen werden sollten, wenn Sie Ihre Gesundheit missachten oder sogar zerstören. Betrachte ich den ersten Paragrafen im SGB V, der die gesunde Lebensweise und die Beteiligung an die Bemühungen bei Heilungen verlangt und sehe mich in der Welt um, so hat das wohl keiner gelesen.

Zitta § 1 SGB V

Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) – Gesetzliche Krankenversicherung – (Artikel 1 des Gesetzes v. 20. Dezember 1988, BGBl. I S. 2477)
§ 1 Solidarität und Eigenverantwortung

Die Krankenversicherung als Solidargemeinschaft hat die Aufgabe, die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern. Das umfasst auch die Förderung der gesundheitlichen Eigenkompetenz und Eigenverantwortung der Versicherten. Die Versicherten sind für ihre Gesundheit mitverantwortlich; sie sollen durch eine gesundheitsbewußte Lebensführung, durch frühzeitige Beteiligung an gesundheitlichen Vorsorgemaßnahmen sowie durch aktive Mitwirkung an Krankenbehandlung und Rehabilitation dazu beitragen, den Eintritt von Krankheit und Behinderung zu vermeiden oder ihre Folgen zu überwinden. Die Krankenkassen haben den Versicherten dabei durch Aufklärung, Beratung und Leistungen zu helfen und auf gesunde Lebensverhältnisse hinzuwirken….

Interessanterweise sind gut 90 % der chronischen Krankheitsbilder in Deutschland die Folge der Lebensweise. Ist es nur ein Gesetz,  Papier zu beschreiben?

Bewußtsein und Verantwortung

Gäbe es schon in der Schule Unterricht im Sinne von Ernährung/Bewegung und der Entstehung von Krankheiten, hätten wir diese Probleme sicherlich nicht. Die Gesellschaft steuert ihr Geschick, nicht der Versicherungsschutz. Bewusstsein und Verantwortung scheint die Politik uns aberziehen zu wollen. Die Folgen dessen kann sie aber nicht beherrschen und definiert ihr Handeln „zum Wohle des Volkes“. Bitte entschuldigen sie die Polemik aber das ist eher ein Science-Fiction, denn ein Gesetz. Eine Bürgerversicherung ändert nichts an den Problemen. Betrachten wir unsere Nachbarstaaten, die bereits ein Monopolismus im Gesundheitssystem  einführten, (Monopolismus hat noch nie Qualität gefördert), so stellen wir fest, dass die Probleme sich dort noch verstärkt haben. Die Beiträge stiegen weiter, die Wartezeiten haben sich weiter verlängert und die Versorgung verschlechterte sich (Bürgerversicherung-ein Erlebnisbericht in drei Teilen-Link unter dem Artikel). Die Zweiklassengesellschaft weitete sich aus.

Praktischer Ratschlag:

  • Für Wechselinteressierte gilt, erst einmal und ganz in Ruhe die systemimmanenten Unterschiede kennen zu lernen, um dann beurteilen zu können, ob die Private Krankenversicherung wirklich zu Ihnen passt. Gerne helfen wir in einer neutralen und werbefreien Beratung, auf diese Unterschiede konzentriert, weiter. Gern helfen wir auch bei der Wahl einer gesetzlichen Krankenversicherung, die möglicherweise besser zu ihnen passt, als die bisherige, wenn sie nicht wechseln möchten.
  • Je nach Gesellschaft und natürlich nach Zugehörigkeit zu dieser Gesellschaft und dem bereits erreichten Alter, ist zu prüfen, ob die Rückkehr in die gesetzliche Kasse, ein Tarifwechsel, bei dem die Rückstellung erhalten bleiben oder sogar ein Anbieterwechsel der sinnvollste Weg wäre. Auch diese Entscheidung hängt von einer sehr große Menge von einzelnen Parametern ab. Gerne tragen wir diese zusammen.

Ich wünschen allen eine gute Zeit und bitte übereilen Sie nicht die Entscheidungen.

Frank Dietrich Fachmakler

Links zu den markierten Positionen

Hilfsmittelversorgung von Kindern

Helmtherapie

Bürgerversicherung – Erlebnisbericht

„auch, wenn es sofort Leben retten könnte“

 

 

 

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