Die Petition-eine Woche später

Eine Woche ist die Petition bei Change.org nun alt. Zeit für ein kurzes Resümee

procontra Die Petition-eine Woche späterLeider blieb es bei der einzigen Rückmeldung eines der handelnden Personen der Verbraucherzentralen. Gewünscht hätten wir uns, dass der Direktor des Institutes für Finanzdienstleistungen, den man eigentlich eine gewisse Nähe zur Materie unterstellen kann, ein klärendes Gespräch gesucht hätte. In der Augsburger Allgemeinen Zeitung seine Meinung darüber Auskunft gab, dass man lediglich mit der Bildung von Rücklagen das Risiko der Berufsunfähigkeit ausschließen könnte. Unglaublich und unberechtigt, sofern mir bekannt.

Grundsätzlich

Es geht mir um die Neuordnung des Verbraucherschutzes in den Mindestanforderungen, die ein jeder Vermittler bereits seit Jahren zu erfüllen hat. Es geht mir nicht darum, einen Krieg zu eröffnen und damit dieselben Fehler zu machen, wie wir sie aus den Debatten und Berichten im Gesundheitssystem fast täglich erleben. Anstatt Lösungen zu suchen, schmeißt man sich Parolen, Ergebnisse von Ratings und Prognosen an den Kopf. Die einzige Reaktion, die bis jetzt von der VZBV zu erhalten war, bestand anscheinend aus vorgefertigten Blogsätzen. Warum vorgefertigt? Genau diese beiden Blöcke tauchen auch in einer anderen Erklärung auf:

Zitat VZBV

„Alle Berater, die für Verbraucherzentralen tätig sind, verfügen über notwendige Qualifikationen für die Beratung: Das kann eine Ausbildung als Bank- oder Versicherungskaufmann oder auch ein akademischer Hintergrund mit einschlägiger Berufs- und Beratungserfahrung sein. Durch regelmäßige interne und externe Weiterbildungen stellen die Verbraucherzentralen sicher, dass das Wissen ihrer Berater auf dem neuesten Stand ist und sichern so die Beratungsqualität.

Die Beratung in den Verbraucherzentralen unterscheidet sich grundlegend von der Beratung im Finanzvertrieb. Wesen des Finanzvertriebs ist der Produktabsatz, der konkrete Produktempfehlungen umfasst. In Verbraucherzentralen erhalten Verbraucher Orientierung im Hinblick auf ihren tatsächlichen Bedarf und zu beachtende persönliche Risiken, aber keine konkreten Produktempfehlungen.“ (Zitat aus Pfefferminzia) ENDE

Was ist eine notwendige Qualifikation?

Die Leiterin des Beratungscenters der Verbraucherzentrale, die mich beraten hat, wird im Jahresbericht als Finanzexperten dargestellt. Sie kannte nicht einmal eine AU-Klausel, die bereits seit Jahren am Markt angeboten wird. Auch konnte sie die konkrete Verweisung im Sinne der Nachprüfung nicht erklären. Dafür hangelte sie sich in der Beratung an den Vorgaben Stiftung Warentest entlang. Wie verhält es sich mit der Aussage des VZBV, das eine ständige Weiterbildung erfolgt und damit die Berater auf dem aktuellen Stand sind?

Der Test von Stiftung Warentest bezeichnet an einer extra markierten Stelle, betitelt mit „Unser Rat“, drei Anbieter unterschiedlicher Inhalte als die besten des Marktes. Wer die Tarifinhalte kennt und vergleicht, findet nur wenig Übereinstimmungen. Was macht eine Bewertung aus, die einen Preis bewertet, der keine Leistung für den Kunden begründet. Warum nutzt eine Finanzexpertin, die es besser wissen müsste, diese Vorgaben?

Richtig hingegen ist, dass die Verbraucherzentralen sich grundsätzlich von Finanzvertrieb unterscheiden sie haften nicht für die Angaben zum Teil von Dritten ungeprüft übernehmen. Dass in jedem der von mir dokumentierten Beratungsvorgänge eine Analyse zum staatlichen Bedarf fehlte, wird nun der Vollständigkeit halber noch erwähnt. Es stellt sich also die Frage wer und mit welcher Kompetenz diese Aussagen getroffen wurden. Bedenkt man immerhin, dass wir 16 Landesverbände haben und Frau Mohn mir bereits in einem Schreiben mitteilte, dass sie keinen Einfluss auf die einzelnen genauen Tätigkeiten dieser Verbände hätte. Wie also können solche Aussagen dann ohne die Transparenz über alle Verbraucherzentralen und im krassen Widerspruch zur Realität getroffen werden?

Vertrauensbasis

Betrachtet man die Vertrauensbasis der Verbraucher in Bezug auf die Verbraucherzentralen Stiftung Warentest, so folgen wahrscheinlich sehr viele Verbraucher diesem direkten Rat.

In meinem beruflichen Alltag erlebe ich immer wieder, dass auf solche Beratungen und Tests vom Interessenten hingewiesen wird. Umso größer ist der Schreck, wenn man die Realität gegenüber diesen Auswertungen Bewertungen und Beratungen erkennt und erlebt hat.

Es geht mir nicht darum, die Fronten zu verhärten.

Es geht mir darum, das die Ignoranz der Verbraucherzentralen gegenüber den dokumentierten Fehlern und Falschaussagen zu einem Umdenken und zu Gesprächen führt. Daher sehe ich die Petition nicht als Bärendienst an, wie Herr Oliver Pradetto es kommentierte, sondern als zwingend notwendig und logisch, denn alle anderen Wege waren ergebnislos.

Wesentliche Punkte der Neuordnung sind:

  • Sachkundeprüfung und Spezialisierung auf einzelne Fachbereiche bei den Beratern
  • Klarer Beratungsablauf bestehend aus:
    • Analyse des Bedarfes
    • Produkt unabhängige und neutrale unparteiische Analyse der Merkmale und Tarifangebote des Marktes. Beleuchtung des finanziellen Hintergrundes im Leistungsfall der einzelnen Bestimmungen.
    • Dokumentation des gesamten Vorganges. Keine Produktempfehlungen. Der Kunde soll, und das ist das Ziel der Beratung, durch diese Information mündlich gemacht werden und Entscheidungen selbst treffen können.
    • Ein klares Verbot, sich auf Ratings und Bewertungen Dritter zu verlassen, die in der Regel anderes Geschäftsmodell verfolgen und für eine Beratung in der fachlichen Tiefe ungeeignet sind. Dasselbe gilt für Vergleichssoftware. Wer der Meinung ist, dass Vergleichssoftware Kompetenz ersetzt, glaubt immer noch, dass die Hebebühne einer Werkstatt den Wagen repariert, nicht aber der Monteur.
  • Eine entsprechende Berufshaftpflichtversicherung, wie sie bereits in einem Geschäftsbericht aus 2015 in einer der Verbraucherzentralen geäußert wird. Bisher wurde nur geäußert, nicht aber weiter darüber nachgedacht. Warum?

Unbe Die Petition-eine Woche späterGrundsätzlich sehe ich keine Opposition bei Verbraucherzentralen und Vermittlern. Bei beiden gibt es verbraucherfreundliche Eigenschaften aber auch Dinge, die dringender Nachbesserung bedürfen. Daher suche ich die Lösung in einem Miteinander und freue mich weiterhin auf rege Teilnahme an der Petition. Sofort nach Freigabe der Petition im Bundestag werde ich diese bewerben. Vielleicht gelingt es auf diesem Weg, aus der Hoffnung auf ein Gespräch Realität zu machen. Alle Beteiligten würden gewinnen, denn wir sind schlussendlich alle Verbraucher und Wissen lebt vom Austausch.

Frank Dietrich Fachmakler11 Die Petition-eine Woche später

Zur Petition

Leave a Comment