Aus „billig“ wird teuer – ein aktuelles Beispiel aus der PKV

Vergessen kann teuer werden.

Eigentlich dürfte so etwas gar nicht passieren. Es geht um die Antragstellung in der Privaten Krankenversicherung – es geht um die Angaben zum Gesundheitszustand. Eine ausführliche Recherche der gelisteten Daten zur Gesundheit, ist trotz der zwingende Notwendigkeit, diese zu kennen, heute noch immer eher eine Seltenheit. So auch in diesem Fall.

Es geht um einen Herren der sich bei der Continentalen im Economy – Tarif versichert hat. Auch er glaubte, dass dieser Versicherungsschutz auf Augenhöhe der Gesetzlichen Krankenversicherung, wenn es um die Menge der dort Versichertenleistungen geht, stehen würde. Also wählte er, wie leider noch die meisten Menschen, nach dem Preis des Angebotes, vergaß leider eine Behandlung, die vor drei Jahren kurzfristig nötig war, anzugeben. Es ging um eine Entzündung im Darm.

Der Versicherer bekam Wind davon.

Er erhöht die Prämie rückwirkend um fast 180 €, rückwirkend bis zum Vertragsbeginn. Bei einem daraus resultierenden Gesamtbetrag von 495 € entspricht das fast 30 % und begründet ein Sonderkündigungsrecht.

Was tun? Der Vermittler und der Kunde suchten nach Rat. Ich vermutete, dass der Kunde nicht wirklich wusste, welche vertraglichen Leistungen er gekauft hatte und bot eine inhaltliche Beratung an. Die Frist zur Entscheidung, ob er den Vertrag weiterführen wolle oder wechseln möchte, läuft in fast 14 Tagen ab. Es besteht Handlungsbedarf.

In der Beratung wurde aus einem sehr gut gelaunten und dem Thema positiv eingestellten Verbraucher ein sehr ruhiger und nachdenklicher Zuhörer. Erschreckt, welche der Dinge, die er versichert glaubte, dann doch nicht versichert waren drückt auf die Stimmung und der Entschluss, das Unternehmen zu verlassen, egal was kosten würde, wurde mehrfach ungefragt bestätigt. Aus Glaube und Hoffnung wurden inhaltliches Wissen und die folgende Mündigkeit war Grundlage des Entschlusses.

Bezugnehmend auf die Überschrift dieses Artikels geht es mir hierbei aber um eine sehr andere, eigentlich nicht wirklich nachvollziehbare Tatsache. Gemeint ist der Risikozuschlag. Noch vor der Beratung fragte ich einige Anbieter unter Nutzung derselben Befunde nach deren Einschätzung des Risikos. Meiner Meinung nach und ich belege das auch sehr gerne schriftlich im Detail, wendete ich mich ausschließlich an Anbieter, die ein höheres Leistungsniveau anbieten, dennoch nicht höher im Preis liegen. Trotz der mehr Leistungen der Tarife gab es Zuschläge um 50-60 €!

Ist doch widersprüchlich

Es ist für mich grundsätzlich nicht wirklich nachvollziehbar, dass Versicherungsschutz der inhaltlich geringer ist, höhere Zuschläge fordert als der, der mehr anbietet. Fast das Dreifache forderte die Continentale. Krankheiten werden im Kostenrisiko weit höher eingeschätzt als bei andern Anbietern. Allein der Sachverhalt lässt auf die Menge der Vertragsinhalte spekulieren, sieht man den Preis des Tarifes.

Auch aus diesen Sachverhalt heraus leitet sich ab, dass Gutes nicht zwingend teuer sein muss, weniger Gutes aber durchaus sehr schnell teurer werden kann.

Eine sorgfältige Recherche der Gesundheitsdaten entgegen der üblichen Eile einiger Vermittler, Angebote abgeben zu wollen/müssen, verhindert grundsätzlich solche Probleme im Vorfeld.

Ein grundsätzliches Problem in der Beratung liegt auch darin, ein Angebot abgeben zu wollen. Warum versucht man die eigene Einschätzung zum Bedarf und der Denkweise eines Kunden, den man sicherlich nicht lange und gut genug kennt, in Form eines Angebotes zu definieren und diesem anzubieten? Warum enthält man dem Kunde damit die Möglichkeit vor, selbst zu wählen und beschränkt dessen Wahl-Möglichkeiten?

Macht es nicht wesentlich mehr Sinn, dem Kunden die Dinge in der Krankenversicherung aufzuzeigen und fachlich zu erläutern, die es zu wissen gilt? Gemeint sind die einzelnen Bestimmungen, deren Tragweite bei Inanspruchnahme von Leistungen. Ein Verbraucher wird immer das kaufen/kaufen wollen, was er benötigt. Meine mittlerweile zwanzigjährige Erfahrung zeigt, dass mit ganz wenigen Ausnahmen immer dieselben Anbieter gewählt werden. Die Wahl bezieht sich immer auf klare Vertragstexte und möglichst umfassenden Versicherungsschutz ohne Lücken. Wer kann das besser beurteilen, als der, der den Preis der für Monat zahlen wird? Jeder möchte wissen, wofür er zahlt. Je mehr er darüber weiß – desto besser.

Auch der Wechsel in die PKV selbst sollte grundsätzlich nur auf Basis der systemimmanenten Unterschiede überlegt werden und nicht preislich orientiert sein.

Kürzere Wartezeiten sind keine Vertragsleistungen und damit auch nicht der „Vorteil“ der PKV. Es geht um weit mehr – um sehr viel anderes, welches im Vergleich, unabhängig von Werbung, Pressemitteilungen und Polemik zu erläutern ist. Nicht jeder passt in die PKV.

Sind Sie schon PKV versichert? Sind Sie sicher, die Inhalte ihres Tarifes auch einschätzen zu können? Ist es ein Wissen oder eher eine Hoffnung, gut versichert zu sein? Das zu prüfen, biete ich in Form einer kurzen Checkliste zum downloaden auf meiner Homepage an. Keine Angst, Sie finden dort kein Versicherungsdeutsch vor. Gibt es grundsätzliche Fragen zu den Systemen und deren Inhalte? So finden Sie dazu Angaben in Form eines Leitfadens sind Downloadcenter.

Frank Dietrich   

Die Sicherung biometrischer Risiken, wie in der Krankenversicherungen, der Berufsunfähigkeitsversicherung oder der Absicherung der Pflegebedürftigkeit ist vom Alter / Gesundheitszustand abhängig. Wer abwartet, riskiert die Versicherungsfähigkeit.

NEUE LEITFÄDEN IM DOWNLOADCENTER

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