Berufsunfähigkeitsversicherung „mal eben“ gemacht

Rhetorik oder Kompetenz?

Das Thema Berufsunfähigkeitsversicherung führt derzeit die Themenfindung in den Medien, insbesondere in den Zeitschriften für Versicherungsvermittler, mit großem Anteil an. Durch die Splittung der Berufe in immer mehr Berufsgruppen versuchen die Anbieter mit jeweils günstigeren Prämien zu locken. Das aber gilt nur für einen Teil der Bevölkerung – der andere Teil klagt  über unbezahlbare Prämien. Würde das Bewusstsein der Menschen um dieses Risiko bereits in jungen Jahren oder von den Eltern ausgehend höher eingeschätzt als ein neues Handy, wäre ein durchschnittlicher Vertragsbeginn in jungen Jahren eher zu vermuten. Die Gesundheit wäre meist ungetrübt und dass zu versichernde Risiko, des des Schülers. Wer über hohe Prämien klagt, weil erst sehr spät diese Absicherung einsteigt, sollte den Schuldigen nicht im Spiegel suchen. Auch möchte ich es nicht unbemerkt lassen, weil ich immer wieder in Foren solchen Quatsch lese, dass gerade die, die noch in Ausbildung sind (Studenten /Azubis / Berufsanfänger) einen solchen Schutz vereinbaren sollten. Warum?  Sie haben keinerlei Ansprüche gegenüber dem Staat. Nehmen Sie es einfach mal nicht so wörtlich: Berufsunfähigkeitsversicherung. Eigentlich hat diese Absicherung nur zum Teil etwas mit einem / dem Beruf zu tun.

Wer kauft Prämien, wer kauft Inhalte?

Aus den letzten Jahren, Jahrzehnten, wissen wir, dass der Vertrieb sich, gerade im Bereich der biometrischen Absicherungen und auch der privaten Krankenversicherung, über den Preis definierte. Nur wenige Parameter/Eigenschaften des Produktes wurden in der Beratung erwähnt. Auf ein Mindestmaß von Inhalten reduziert, schienen die Produkte nicht nur ähnlich, sondern gleich zu sein. Der Preis konnte schlussendlich zum Dreh-und Angelpunkt der Entscheidung werden. Um diesen zu senken, haben einige Vermittler das Risiko geschönt und die Risikogruppen/Berufsgruppen  bei der Berufsunfähigkeitsversicherung im Sinne der Preisfindung vorteilhaft ausgelegt. Schon hier  lauert das erste Risiko  zur rückwirkenden Auflösung eines solchen Vertrages, wenn es zu einer Leistungsprüfung kommt. Aus günstig wird dann schnell unbezahlbar, denn die Leistung bleibt aus.

Worum geht es grundsätzlich?

Erinnern wir uns, dass eine Versicherung die Aufgabe hat, das Risiko des Einzelnen  auf eine Gemeinschaft  zu übertragen. Eine Gemeinschaft, die im gemeinsamen Interesse und zu gleichen Bedingungen Kapital für einen/diesen Notfall sammelt, ist eine einfache Abbildung des Versicherungsgedankens. Besonders wichtig dabei ist es, dass diese Gemeinschaft, jeder für sich, alle dafür notwendigen Angaben vollständig, wahrheitsgemäß und detailliert macht.

Nur so funktioniert der Gedanke der Versicherung/Absicherung des Einzelnen in der Gemeinschaft. Jeder hat dieselben Rechte und Pflichten, die vertraglich geregelt sind. Gekauft wird ein solcher Vertrags-Inhalt, nicht der Preis. Der Preis ist eine Momentaufnahme-der Vertrag und seine Bestimmung sind dauerhaft.

Entscheidet nun aber der Preis der Ware und nicht der inhaltliche Wert, wird dieser Gedanke nicht nur infrage sondern ad absurdum geführt. Derzeit befindet sich die Berufsunfähigkeitsversicherung in einer evolutionären Phase, gemeint sind nicht nur die oben genannten Berufsgruppen, die an Zahl immer mehr werden. Der Versicherungsgedankt dünnt aus, denn was bei einer Berufsgruppe nachgelassen wird, wird an anderer Stelle wieder eingeholt.

Seit einiger Zeit kritisiert der PremiumCircle Deutschland meiner Meinung nach zu Recht die Vertragstexte dieser Absicherungsform. Warum? Liest man diese aufmerksam und hinterfragt die einzelnen Termini, so wird meiner Erfahrung nach sehr schnell klar, dass die Begriffe nicht eindeutig sondern auslesbar sind.

Dazu einige Beispiele
  • mehr als altersentsprechender Kräfteverfall
  • zweckmäßig
  • zumutbar
  • der Lebensstellung entsprechend
  • wirtschaftlich zweckmäßig

so, wie viele Dinge, die u.a. zeitlich nicht klar definiert sind (wie in letzten Tagen…).

Die Vertragstexte folgen denen  unserer Gesetze allgemein, nicht zuletzt der Gesetzgebung für die gesetzliche Krankenversicherung „wirtschaftlich, zweckmäßig, angemessen, das notwendige Maß nicht überschreitend“. In der privaten Krankenversicherung finden wir auch schnell Beispiele „medizinisch notwendig oder „in zeitlich engem Zusammenhang“.

Um dem Gedanken, versichert zu sein am nächsten zu kommen, ist es zwingend notwendig, einen Vertrag zu wählen der eigenen Bedürfnis der Absicherung am besten passt und die Begrifflichkeiten möglichst klar und frei von Deutung definiert. Bedenkt man, dass die Rechtsprechung es einem Kunden nicht zumuten möchte, die Vertragsbestimmungen eines Anbieters in Gegenüberstellung zu bewerten (PKV /OLG Fürth), so fragt es sich allen ernstes, wie sich der Verbraucher sich hier auskennen soll. Dasselbe Problem sehe ich bei Vermittlern, die immer noch meinen, alles aus einer Hand liefern zu müssen. Stellen Sie sich eine Autowerkstatt vor. Drei Mitarbeiter  sind dort tätig und man wirbt mit der Leistung,  jeder Art von Fahrzeug, egal ob Oldtimer oder High-Tech, reparieren warten zu können. Glaubhaft?

Eine entsprechende Absicherung zu finden erfordert die Kenntnis der Deutung der Begrifflichkeiten im Gesamtfeld des Marktangebotes. Dabei ist es auch entscheidend, die aktuelle Rechtsprechung zu verfolgen. Nur der Spezialist wird eine entsprechende Beratung, geprägt durch inhaltliche Kompetenz anbieten können. Erste Information zu den Themen meiner Spezialisierung als Fachmakler finden Sie im Downloadcenter.

Frank Dietrich Fachmakler

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