Standortbestimmung

Der Wirtschaftsweise Achim Truger stellt das bestehende Gesundheitssystem in seiner dualen Struktur infrage. Beamte sollen stärker zur Finanzierung herangezogen werden, andernfalls drohe eine Zweiklassenmedizin. Dabei wird über genau dieses Klassensystem seit Jahrzehnten diskutiert und gelebt. Die Private Krankenversicherung entstand nicht aus Luxus oder Privilegierung, sondern aus einer strukturellen Notwendigkeit heraus. In der gesetzlichen Krankenversicherung waren ursprünglich abgesichert, deren Arbeitskraft (Arbeiter) für das System erhalten werden sollte. Frauen ohne Erwerbstätigkeit, Selbstständige und Freiberufler fielen nicht darunter. Um Versorgung und Finanzierung im Krankheitsfall überhaupt sicherzustellen, entwickelte sich die Private Krankenversicherung. Ein Selbstzweck.

Absurd

Würde man die PKV nun schrittweise auflösen – und genau darauf laufen solche Forderungen hinaus –, entstünde allenfalls ein kurzfristiger finanzieller Effekt. Zusätzliche Einnahmen wären in kürzester Zeit aufgebraucht, weil damit keine einzige Ursache gesundheitlicher Fehlentwicklungen beseitigt würde. Löcher würden gestopft, neuen würden entstehen. Die eigentlichen Probleme liegen in einer zunehmend ungesunden Lebensweise, falscher Ernährung und mangelnder Prävention. Doch anstatt diese Ursachen konsequent anzugehen, beschränkt sich die Politik seit Jahren darauf, die Folgen zu verwalten. Ist das weise?

Nach meiner Auffassung versucht man einen erheblichen Teil der Kosten des Gesundheitssystems auf Beamte abzuwälzen, obwohl diese weder die politischen Entscheidungen zu deren Entstehung getroffen, noch die strukturellen Fehlentwicklungen verursacht haben. Seit wann tragen Beamte die Verantwortung für gesundheitspolitische Versäumnisse vergangener Jahrzehnte? Gerade ein Wirtschaftsweiser sollte in der Lage sein, diese Zusammenhänge nachvollziehbar zu erklären. Wie definiert man weise?

Tatsächliche Ursache

Die eigentlichen Fehler liegen in der Vergangenheit: Menschen wurden zu wenig über den Zusammenhang zwischen Lebensführung und Krankheitsentstehung aufgeklärt, während zugleich

art-1301872_1280 Wann ist man weise?
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gesundheitsschädliche Lebensweisen indirekt gefördert wurden – obwohl der Schutz der Gesundheit eigentlich zum gesellschaftlichen Auftrag gehören müsste. Reguliert und begleitet wurde all dies von der Politik selbst. Gelöst wurde nichts.

Dass Privatversicherte sich diesem Systemumbau nicht widerstandslos anschließen wollen, kann man ihnen kaum vorwerfen. Sie tragen bereits über ihre Steuerzahlungen zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung bei und stemmen darüber hinaus einen überproportional hohen Anteil der Gesundheitskosten. Obwohl sie weniger als zehn Prozent der Versicherten ausmachen, finanzieren sie rund dreißig Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben mit.

Auch sollte der Wettbewerb der beiden Systeme erhalten bleiben, damit wir nicht an Qualität verlieren, wie damals auch schon Frau Doris Pfeiffer bemerkte, die davon nichts wissen. Ohne Wettbewerb würden wir zudem den Wettbewerb fördern, den jeder würde versuchen eine Zusatzkrankenversicherung, natürlich privat, zu bekommen, wenn er (noch) kann und wieder hätten wir eine Zweiklassenmedizin. Kann man kürzer denken?

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