Standortbestimmung
Vor Kurzem führte ich ein Gespräch mit einem neuen Interessenten. Fünf Jahre lang hatte er überlegt, ob er von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln sollte. Besonders beschäftigte ihn die Frage der Familienplanung, da er davon ausging, dass die Absicherung von Kindern in der PKV zu teuer sei. Erst ein Arbeitskollege, der bereits ein Jahr zuvor mit seiner Frau und zwei Kindern in die Private Krankenversicherung gewechselt war, motivierte ihn dazu, einen Beratungstermin zu vereinbaren.
Wer versicherungsfrei ist und über einen Wechsel nachdenkt, sollte sich nicht auf Hörensagen oder schlecht recherchierte Presseberichte verlassen. Kürzlich veröffentlichte eine Zeitung Durchschnittsbeiträge älterer Privatversicherter und vermittelte den Eindruck, dass diese pauschal mehr als 1.000 Euro monatlich zahlen würden. Tatsächlich trifft dies nur auf einen sehr kleinen Teil der Versicherten zu. Lediglich rund 11.500 Personen von mehr als acht Millionen Privatversicherten zahlen Beiträge von 1000,- € und mehr. Die Vorurteile gegenüber der Privaten Krankenversicherung halten oftmals einer näheren Betrachtung nicht stand.
Beiträge und Leistung
Aus meiner langjährigen Berufserfahrung heraus kann ich sagen, dass besonders hohe Beiträge lediglich bei einigen wenigen Anbietern des Marktes zu finden sind. Interessanterweise gehören diese nicht zu den Gesellschaften, die man aufgrund ihrer Leistungen bevorzugen würde. Eine fachlich fundierte Beratung kann dabei helfen, genau solche Fehlentscheidungen zu vermeiden. Trennen Sie Spreu von Weizen.
Unser Gesundheitssystem zählt zu den besten der Welt. Gleichzeitig ist es eines der teuersten und leider ineffizientesten. Die Lebenserwartung liegt lediglich im internationalen Durchschnitt. Hinzu kommen aktuelle Diskussionen

über Leistungskürzungen, selbst bei Vorsorgeuntersuchungen, die Krankheiten frühzeitig erkennen und verhindern sollen. Damit schieben wir voraussehbare Kosten in die Zukunft. Die eigentlichen strukturellen Probleme werden dabei nicht angegangen. Statt nachhaltiger Reformen erleben wir Maßnahmen, die Löcher stopfen sollen aber das Enstehen neuer nicht verhindern. Unserer Entscheider sind inkompetent und die Lobbyisten haben die Zügeln in den Händen.

Kürzungen und Fortschritt
Betrachtet man die Entwicklung über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren, sind die Höchstbeiträge der gesetzlichen Krankenversicherung stärker gestiegen als die durchschnittlichen Beiträge in der Privaten Krankenversicherung. Darüber schweigt man. Gleichzeitig müssen Versicherte im gesetzlichen System sinkende Leistungen, steigende Eigenbeteiligungen und längere Wartezeiten berücksichtigen. Neue Behandlungsmethoden stehen Privatversicherten häufig deutlich früher zur Verfügung. Experten sprechen hier von einem zeitlichen Vorsprung von mehreren Jahren. Die Versorgung ist grundsätzlich höherwertiger und erlaubt, weil meist Beiträge beim Wechsel eingespart werden, auch andere existenzielle Absicherungen zu vereinbaren. Beispielsweise eine Berufsunfähigkeitsversicherung.
Solidarität
Manche Menschen entscheiden sich bewusst aus Solidaritätsgründen für einen Verbleib in der gesetzlichen Krankenversicherung, obwohl sie wechseln könnten. Solidarität ist grundsätzlich zu begrüßen. Allerdings stellt sich die Frage, ob unser Solidarprinzip richtig umgesetzt wird (SGB V, § 1). Ein gesundheitsbewusster Lebensstil wird bislang nur begrenzt honoriert, ist aber in der Gemeinschaft verpflichtend. Dem entgegen sind viele chronische Erkrankungen der persönlichen Lebensführung verbunden. Wer sich an die bekannten Empfehlungen hält, sich ausreichend bewegt, ausgewogen ernährt sowie auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum verzichtet, sollte stärker belohnt werden. Solidarität sollte dort ankommen, wo sie tatsächlich benötigt wird.

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